Was wäre, wenn das, was wir für die Realität halten, gar nicht die Realität wäre, sondern ein großer Irrtum, vielleicht sogar eine Lüge? Keine Verschwörungserzählung kommt ohne diese grundlegende Frage aus, die uns Menschen wahrscheinlich immer schon beunruhigt hat. Aber auch die Philosophen haben diese Frage immer wieder aufgegriffen und sich tiefgreifende Gedanken darüber gemacht, zu welcher Erkenntnis der menschliche Verstand überhaupt in der Lage ist.
Ich würde mich selbst nicht als einen Philosophen bezeichnen und hänge auch keiner Verschwörungserzählung an. Jedoch stelle ich mir des öfteren die Frage, ob unsere Gesellschaft eigentlich noch ausreichend Bezug zur Realität hat. Es geht mir nicht darum, den bestehenden Institutionen ihre Berechtigung abzusprechen. Ich stelle mir eher die Frage, ob wirklich alle Grundannahmen, die wir unhinterfragt als Grundlage gesellschaftlicher Diskussionen heranziehen, zutreffend sind.
Beispiel: Bedeutung der Arbeit in der Gesellschaft
Ich habe mich bereits vor einiger Zeit in einem längeren Text damit beschäftigt, ob es noch sinnvoll ist, unsere gesamte Gesellschaft rund um die Annahme zu organisieren, dass es das Schicksal der (meisten) Menschen sei, für andere Menschen zu arbeiten, um sich die notwendigen Dinge zum Leben zu sichern. Mein Ergebnis ist, dass es angesichts der neuen technischen Möglichkeiten durchaus bessere Ansätze gibt. Damit bin ich auch bei weitem nicht alleine. Das Problem ist nur, von der theoretischen Erkenntnis zu einer konkreten Erzählung von einer Gesellschaft zu kommen, die sich an einer sinnvolleren Grundannahme orientiert, etwa dass Arbeit in allen Bereichen, in denen dies möglich ist, von Maschinen verrichtet werden sollte, um den Menschen die Möglichkeit für sinnvollere Tätigkeiten zu geben.
Jedoch werden Überlegungen, wie diese oft beiseite gewischt: Schöne Idee aber leider völlig unrealistisch. Statt dessen versucht man, an den alten Grundannahmen festzuhalten und trotzdem das öffentliche Leben irgendwie am Laufen zu halten. Dadurch entsteht eine Kluft zwischen der Gesellschaft, in der wir leben, die für die meisten Menschen zu immer ungünstigeren Lebensbedingungen führt und der Gesellschaft, wie sie sein sollte, um allen Menschen faire Möglichkeiten zu geben, ein gutes Leben zu führen. Die Menschen spüren, dass die traditionellen Ansätze mehr und mehr an Überzeugungskraft verlieren, erkennen aber noch keine neuen, an denen sie sich orientieren könnten. Das Ergebnis sind weit verbreitete Ängste und Unzufriedenheit. Populistische Strömungen in der Politik gewinnen an Zulauf.
Ich möchte mich daher der Frage, „Was, wenn alles ganz anders ist?“ auf eine spielerische Art und Weise stellen, indem ich kleine Geschichten erzähle, die unsere Alltagswahrnehmung scheinbar auf den Kopf stellen. Das ist sicherlich ganz oft einfach nur blühender Unsinn. Aber wer weiß, vielleicht hilft es ja, von dem, was alle Realität nennen, ein Stück abzurücken, um in einer sich radikal ändernden Welt neue Realitäten zu entdecken? Das sind natürlich große Ziele und es wäre schon eine schöne Sache, wenn das, was ich hier aufschreibe, zumindest einigen ein flüchtiges Lächeln ins Gesicht zaubert.
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