Beitrag zur 69. Blognacht von Anna Koschinski mit dem Impuls „Man gönnt sich ja sonst nichts!“
Ich bin zu Hause und schalte meinen dienstlichen Laptop aus. Gerade habe ich meinen Arbeitstag im heimischen Büro abgeschlossen. Meine Frau arbeitet noch kurz daran, einen Artikel zu veröffentlichen und zu verlinken, den sie fertig geschrieben hat. Ich stehe vor der Entscheidung, wie ich den Feierabend beginnen könnte.
Es: Boah, jetzt ein kühles Bier, das wäre super!
Ich: Meinst Du, das wäre jetzt wirklich eine gute Idee? Du hast den ganzen Tag über zu wenig getrunken und dann gleich mit Alkohol anfangen?
Es: Doch, doch! Bier ist isotonisch, habe ich gelesen.
Ich: Ja, wenn es keinen Alkohol hat. Vielleicht wäre es besser, Du trinkst erst einmal ordentlich Mineralwasser, bevor Du mit dem Bier loslegst.
Es: Papperlapapp! Bier her!
Über-Ich: Jetzt sei bitte nicht gierig! Wer sagt denn, ob Du heute überhaupt ein Bier verdient hast? So richtig viel hast Du ja heute nicht auf die Reihe bekommen.
Ich: Es war aber auch sehr heiß heute, da war an konzentriertes Arbeiten kaum zu denken…
Es: Und ich habe es ja die ganze Zeit gesagt. Lasst uns lieber ins Schwimmbad gehen.
Über-Ich: Und wer hätte dann das Arbeitspensum erledigen sollen? Du musst schon ein gewisses Maß an Disziplin mitbringen. Wie gesagt, wirklich viel war es ja sowieso nicht, was Du erledigt hast. Dein Arbeitgeber bezahlt Dich nicht fürs Herumhängen! Überhaupt vermisse ich den Ehrgeiz, den Du früher mal hattest. Willst Du denn nichts mehr erreichen im Leben?
Es: Doch! Ein Bier!
Über-Ich: Du sollst anderen nicht ins Wort fallen!
Ich: Vielleicht wäre es ja wirklich eine gute Idee, erst einmal Mineralwasser zu trinken.
Es: Spaßbremse!
Ich: Ja, tut mir leid! Wenn Dich niemand bremsen würde, wären wir ja nur noch betrunken. Und die Arbeit macht doch auch Spaß. So ein juristisches Problem zu lösen, ist doch fast wie Detektivarbeit. Vielleicht hat das Über-Ich ja recht und wir könnten wieder etwas mehr Ehrgeiz entwickeln.
Es: Das war ja wieder mal klar Du Rationalitätsbolzen. Kaum Pfeift das Über-Ich, schon steht der Herr Ich wie ein Wauwau vor der Tür, mit der Leine zwischen den Zähnen.
Ich: Stimmt doch garnicht!
Es: Doch genau das. Macht Dir das vielleicht Spaß? Der Wauwau vom Über-Ich zu sein?
Ich: Du bist irrational, mit Dir kann man sich einfach nicht unterhalten.
Es: Lass Du dich doch an der Leine herumführen. Ich trinke dann so lange ein leckeres Bier!
Über-Ich: Ihr sollt nicht streiten!
Es: Bier her, Bier her, oder ich fall‘ um!
Ich: Jetzt schon mal garnicht! Bei so einem Kontrollverlust mache ich nicht mit.
Ehefrau: Schatz, alles in Ordnung? Du brummelst so vor dich hin.
Ich: Ja, alles gut. Ich werde jetzt nur mal etwas trinken. Was möchtest Du denn gerne zum Abendessen?
Ehefrau: Bratkartoffeln wären toll. Und weißt Du was? Ich hätte total Lust, dazu ein Bier zu trinken.
Es: DAS ist meine Frau!

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